Die große Rentenlüge – wie die Babyboomer-Generation in der Rentenpolitik zu Tätern gemacht wird

_MG_8572
Babyboomer haben Deutschlands Wohlstand geprägt und gelten heute in der Rentenpolitik als Problem. Für viele fühlt sich das wie Verrat an einer ganzen Generation an. Ein Beitrag über Verantwortung, Gerechtigkeit und das gefährliche Spiel mit dem Generationenkonflikt.

Babyboomer und Rente: Jahrzehnte gearbeitet, jetzt im Fokus der Kritik

Sie waren der Motor, der unsere Wirtschaftskraft über Jahrzente angetrieben hat. 
Sie haben Familien gestützt, Kinder großgezogen, Unternehmen aufgebaut, Steuern gezahlt, Systeme am Laufen gehalten – jahrzentelang das Rückgrat der deutschen Gesellschaft. Sie haben hart und ausdauernd gearbeitet, sich oft selbst zurückgenommen. Was sie gelebt haben, war viele Jahre keine Luxus. Was sie gegeben haben, war Substanz. Und was man ihnen immer wieder versprach, war klar: „Die Rente ist sicher“

Politisches Versagen: Die wahren Ursachen des Rentenproblems

Es ist dieselbe alte Strategie: Wenn politisches Versagen über Jahrzehnte nicht aufgearbeitet wird, sucht man Schuldige.
Und was eignet sich besser als die Generation, die groß und stark ist – aber langsam in die Jahre kommt?
Was dabei unter den Tisch fällt:
– Dass die Rentenkasse politisch geplündert und nie wieder vollständig gefüllt wurde
– Dass jede Regierung das Thema verschleppt hat
– Dass man seit über 35 Jahren weiß, was auf uns zukommt – und trotzdem nichts passiert ist
– Dass viele Babyboomer bis heute mehr leisten als sie müssten, im Ehrenamt, in der Familie, im Job.

Von Leistungsträgern zu angeblichen Belastungen – ein gefährliches Narrativ

Jetzt wird die Debatte emotional aufgeladen – mit wachsender Penetranz.
Einzelne Meinungen werden gestreut, aufgegriffen, wiederholt – bis sie sich als scheinbare Fakten in den Köpfen festsetzen. Ein gefährliches Spiel. Denn es beschädigt Vertrauen – und spaltet unsere Gesellschaft genau da, wo wir Zusammenhalt bräuchten.

Verantwortung statt Verdrängung

Was besonders zynisch wirkt, ist die plötzliche Überraschung vieler Politiker – als würde das alles ganz unerwartet passieren. Dabei leben wir im Land der Statistiken. Vom ersten Schrei an sind wir aktenkundig. Man wusste seit Jahrzehnten, wie viele Babyboomer es gibt, wann sie geboren wurden, wann sie alt werden – und wann sie in Rente gehen. Es war nie ein Geheimnis. Nur ein unbequemes Thema.

Doch statt vorauszudenken, wurde weggesehen. Statt strategisch zu handeln, wurde verschoben. Jede Regierung wusste, was kommt – und hat es dennoch der nächsten überlassen. Was wir hier erleben, ist kein überraschender Systemfehler. Es ist das Ergebnis von jahrzehntelanger Verantwortungslosigkeit. Und so funktioniert es nicht nur in der Politik, sondern leider auch in vielen Unternehmen: Probleme, die nicht akut sind, werden ignoriert. Bis es zu spät ist. Doch wenn es um das Rentensystem geht, ist diese Form der Verdrängung fatal.

Denn sie betrifft Millionen – und beschädigt das Vertrauen in den Staat selbst.

Was ist mit Verantwortung?

Was ist mit dem politischen Versprechen, für das Millionen gearbeitet haben?
Was ist mit der Anerkennung lebenslanger Leistung?
Was ist mit einem Staat, der sich auf seine älteren Bürger verlassen konnte – und es nun umgekehrt nicht mehr kann?
Es ist höchste Zeit für eine neue Ehrlichkeit.
– Ja, die Systeme stehen unter Druck.
– Ja, es braucht Lösungen.
– Aber nein – das Recht auf Würde und Planbarkeit im Alter steht nicht zur Disposition.

Was jetzt gebraucht wird

  1. Eine faire Debatte ohne Schuldzuweisungen
    2. Politische Aufarbeitung jahrzehntelanger Versäumnisse
    3. Respekt gegenüber einer Generation, die dieses Land getragen hat
    4. Ein klarer Blick auf Vermögensverteilung – ohne einseitige Opferrollen

Gerechtigkeit darf kein Tabu sein

Wenn über fehlende Mittel gesprochen wird, darf man auch über Prioritäten sprechen.
Es ist nicht gerecht, wenn Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, eingezahlt und dieses Land mit vorangetrieben haben, am Ende weniger haben als Menschen, die nie etwas beigetragen haben – egal ob sie aus dem Inland oder dem Ausland kommen.
Unterstützung ist wichtig – aber sie darf nicht zulasten derer gehen, die das System tragen. Wer Vertrauen will, muss Fairness und Gerechtigkeit leben.
Und wer Solidarität fordert, muss auch Leistungsbeiträge anerkennen.

Genügsamkeit, harte Arbeit und das Recht auf Lebensfreude

Die Babyboomer-Generation ist in einer Zeit groß geworden, in der Genügsamkeit und Sparsamkeit selbstverständliche Tugenden waren. Es wurde nichts verschwendet, vieles repariert und wiederverwertet. Man trug Kleidung über Jahre, flickte Socken, sparte beim Essen und lebte mit dem, was man hatte. Diese Generation wurde hart erzogen, mit einem klaren Leistungsprinzip: Arbeit stand an erster Stelle. Der Lebensstandard, den viele heute genießen, ist nicht vom Himmel gefallen – er wurde hart erarbeitet.

Und trotzdem wird ihnen heute oft vorgeworfen, sie würden nur noch mit dem Cabrio fahren oder Tennis spielen. Diese Sicht blendet aus, wie dieser Wohlstand entstanden ist und welche Opfer dafür gebracht wurden. Nach Jahrzehnten voller Arbeit, Disziplin und Entbehrung ist es mehr als legitim, sich etwas zu gönnen – sei es Luxus, Lebensfreude oder freie Zeit.

Doch anstatt diese Vitalität zu feiern, wirft man den Babyboomern heute sogar vor, dass sie länger leben. Dabei sollte es ein Grund zur Freude sein, dass so viele von ihnen aktiv, fit und gesund sind – und weiterhin viel zur Gesellschaft beitragen.

Fazit: Keine Generation darf geopfert werden

Die Babyboomer sind nicht das Problem.
Sie waren lange die Lösung. 
Was sie jetzt verdienen, ist kein Misstrauen, sondern Respekt.
Keine neuen Zumutungen, sondern politische Ehrlichkeit.
Keine einseitige Belastung derjenigen, die dieses Land jahrzehntelang getragen haben.
Vor allem braucht es jetzt keine falsche Stimmungsmache – und schon gar kein Aufhetzen von Jung gegen Alt.

Call to Action

👉 Teile diesen Beitrag, wenn du findest, dass Gerechtigkeit im Alter kein Luxus ist.
👉 Sprich darüber, wenn du spürst, wie hier gerade eine Grenze überschritten wird.
👉 Setze ein Zeichen gegen die schleichende Entwertung einer ganzen Generation.

Bild von Burga Neckermann

Burga Neckermann

Sie ist Diplom-Betriebswirtin (FH), Unternehmerin, Executive Coach und Sparringspartnerin. Ihr erstes Unternehmen hat sie aus der Idee heraus gegründet, über zwölf Jahre hinweg aufgebaut, erfolgreich geführt – und schließlich verkauft.

Ergänzt durch fundierte Coaching-Ausbildungen unterstützt sie heute Führungspersönlichkeiten und Unternehmer:innen dabei, Klarheit zu gewinnen, mutige Entscheidungen zu treffen und nachhaltig wirksam zu sein.

In diesem Blog teilt sie Impulse, Strategien und persönliche Erfahrungen rund um Leadership, persönliche Entwicklung und unternehmerischen Erfolg – für alle, die ihre Führungsrolle bewusst gestalten und weiter wachsen möchten.

Diskretion und Vertrauen sind im High Performance Coaching unverzichtbar und Grundsätze meiner Arbeitsweise, deswegen sind alle Referenzen anonymisiert. Auf Anfrage sende ich Ihnen die Referenzen gerne in voller Länge.