16.000 Entlassungen – Was in einem Top-Manager wirklich passiert

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Die Fassade der Stärke

Wenn ein Unternehmen ankündigt, dass 16.000 Menschen gehen müssen, sieht man im Fernsehen oder in Pressemitteilungen meist eine kontrollierte, sachliche Führungskraft. Doch diese Fassade ist kein Ausdruck von Stärke. Sie ist ein Schutzmechanismus – ein Corporate-Panzer, der verhindern soll, dass Emotionen sichtbar werden. Denn im Management gilt: Wer zu viel fühlt, riskiert, als schwach wahrgenommen zu werden.

Die verborgene Innenwelt: Schuld, Scham und der stille Druck

Die wahren Emotionen eines Managers beginnen dort, wo die Öffentlichkeit nicht hinblickt. Schuld ist oft das erste Gefühl, das auftaucht – ein leiser, innerer Schmerz darüber, Verantwortung für das Schicksal so vieler Menschen zu tragen. Doch Schuld darf nicht sichtbar werden. Scham folgt direkt dahinter: die Erkenntnis, dass man vielleicht früher hätte handeln müssen. Beide Gefühle bedrohen das Selbstbild eines Managers. Deshalb werden sie verdrängt, rationalisiert und in Zahlen verpackt. Nicht aus Kälte – sondern aus Überforderung.

Wenn Rolle und Mensch kollidieren

Im Inneren vieler Führungskräfte entsteht in solchen Momenten ein stiller Bürgerkrieg: Der Mensch fühlt, der Manager funktioniert. Genau in dieser Kollision entstehen Schlaflosigkeit, innere Leere, Selbstzweifel und psychosomatische Anzeichen. Die Außenwelt sieht PowerPoint-Folien und klare Worte – doch innen brodelt ein Sturm, der selten ausgesprochen wird.

Ein System, das diese Manager hervorbringt

Unsere Managementkultur in Deutschland hat über Jahrzehnte Risikovermeidung, Perfektion und Kontrolle belohnt. Manager wurden darauf trainiert, Fehler zu vermeiden, Prozesse zu perfektionieren und Stabilität zu garantieren. Mut, Intuition und emotionale Präsenz hatten kaum einen Platz. In einer Welt, die sich heute exponentiell verändert, wird genau dieses alte Führungsverständnis zum Risiko. Nicht weil Manager schlecht wären – sondern weil sie für eine Welt ausgebildet wurden, die es nicht mehr gibt.

Führung beginnt im Inneren

16.000 Entlassungen sind mehr als eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Sie sind ein Spiegel für eine ganze Ära von Führung: eine Ära, die an ihre Grenzen kommt. Echte Führung beginnt dort, wo ein Manager bereit ist, den Mut aufzubringen, hinter die eigene Fassade zu schauen – dorthin, wo Schuld, Scham, Angst und Menschlichkeit liegen. Dort entsteht Bewusstsein. Dort entsteht Mut. Dort entsteht die Zukunft von Führung.

 

Bild von Burga Neckermann

Burga Neckermann

Burga Neckermann ist Unternehmerin und Sparringspartnerin auf Entscheidunsebene.

Sie gründete ihr erstes Unternehmen aus einer Idee heraus, baute es über mehr als 12 Jahre erfolgeich auf und verkaufte es anschließend.
Ihre unternehmerische Erfahrung verbindet sie mit fundierter Ausbildung und jahrzehntelanger Arbeit mit Menschen in Verantwortung.

Heute arbeitet sie im Executive Sparring mit Unternehmern, Geschäftsführern und Entscheidern
– dort, wo Führung sich klären muss, bevor Entscheidungen Wirkung verlieren.

In diesem Blog teilt sie Beobachtungen, Perspektiven und Einordnungen zu Führung,
Verantwortung und innerer Klarheit – nicht als Anleitung, sondern als Spiegel für Menschen, die wissen, dass es so nicht weitergeht.

Diskretion und Vertrauen sind im High Performance Coaching unverzichtbar und Grundsätze meiner Arbeitsweise, deswegen sind alle Referenzen anonymisiert. Auf Anfrage sende ich Ihnen die Referenzen gerne in voller Länge.